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Vor 100 Jahren: Wilhelm II. unternahm Premierenfahrt - Kaiserwagen ist heute für alle Fans da (12.10.2000)
 
Am 24. Oktober 1900 kam der damalige Deutsche Kaiser  Willhelm II. ins Tal der Wupper. Bei einer Testfahrt mit der noch nicht für die Öffentlichkeit freigegebenen Schwebebahn soll er sich höchst zufrieden über das neue Verkehrsmittel geäußert haben. Die Wuppertaler Stadtwerke haben den Kaiserwagen der Nachwelt erhalten. Seine Beliebtheit ist ungebrochen. Mit bis zu 700 Sonderfahrten im Jahr ist der Oldtimer von 1900 nach wie vor sehr agil.

Eigentlich war der Besuch seiner Majestät für den 13. Oktober 1900 vorgesehen, doch eine Erkrankung der Kaiserlichen Mutter machte eine Verschiebung notwendig. Dann kam der große Tag:  Am 24. Oktober 1900 waren Barmen, Elberfeld und Vohwinkel in ein wahres Meer von Fahnen, Dekorationen und Transparenten getaucht.

Einweihungen
Die Kaiserliche Hoheit mit Gattin und Gefolge wurde von einer riesigen Menschenmenge erwartet. Nach der Einweihung der Barmer Ruhmeshalle und der Kutschwagenfahrt nach Elberfeld folgte dort die Einweihung des neuerbauten Rathauses am Neumarkt.

Salutschüsse
Kurz nach Ein Uhr mittags verkündeten Salutschüsse von dem dreimastigen, mit 100 Angehörigen des Elberfelder Marinevereins bemannten Kriegsschiff, das auf dem Brausenwerther Platz aufgestellt war, die Ankunft der Majestäten am Döppersberger Schwebebahnhof. Die Matrosenkapelle intonierte die Nationalhymne, die Schiffsmannschaften riefen "Hipp hipp hurra !" und, von den Düsseldorfer Husaren eskortiert, rollte das kaiserliche Gefährt heran. "Mit elastischen Schwung" ,wie berichtet wurde, sprang der Kaiser aus dem Wagen, half seiner Gemahlin beim Aussteigen und betrat nach kurzer Begrüßung durch Kommerzienrat Freiherrn von der Heydt und nach Vorstellung der am Schwebebahnbau maßgeblich Beteiligten den Bahnhof.

Premierenfahrt
Mit gelegentlichen Zwischenfragen an Regierungsbaumeister Petri bekundete er sein Interesse und wandte sich dem ihm vorgesehenen Schwebebahnwagen zu. Insgesamt gelangten drei Einzelwagen zum Einsatz. Im ersten nahmen die Vertreter der Kreisbehörden sowie Landrat Scherenberg  und Oberstallmeister von Wedel Platz. Im zweiten das Kaiserpaar, im dritten das Gefolge. Die Türen wurden geschlossen, der Zug unter der Führung von Oberingenieur Schultz setzte sich in Bewegung und "ruhig und sicher glitt der Wagen mit seiner theuren Last hinaus auf seinen luftigen Weg" hielt ein Chronist fest.

Bis Sonnborn standen rechts und links der Wupper an jedem Pfeiler Arbeiter im Wasser. Anschließend bis Vohwinkel sicherten Polizisten die Stützen auf der Landstrecke. Es wurde berichtet, "daß die Kaiserin anfangs etwas ängstlich gewesen, aber später von der Fahrt entzückt gewesen sei und ihrer Freude über den schwebenden Flug durch die Luft wiederholt Ausdruck gegeben habe. Unterdessen habe ihr Gemahl während der Fahrt mehrmals huldvolle Grüße nach unten gesandt".
Von Vohwinkel aus fuhr das Kaiserpaar weiter nach Essen zur Villa Hügel.

100 Jahre auf Erfolgstour Die Wuppertaler mußten sich allerdings noch ein wenig gedulden. Erst am 1. März 1901 wurde das erste Teilstück der Schwebebahn zwischen Kluse und Zoo für die Öffentlichkeit freigegeben. Die Bevölkerung stürmte regelrecht das neue Verkehrsmittel, das durch den Kaiserbesuch bereits seine Bewährungsprobe erhalten hatte.

Die Wagen des Baujahres 1900 erwiesen sich als nahezu unverwüstlich. Nach über 70 Jahren Alltagseinsatz rollten sie zwischen 1972 und 1974 auf das Abstellgleis. Sie wurden durch die heutigen Gelenkwagen ersetzt.

Lediglich Wagen 5, in dem Kaiser Wilhelm II. seine legendäre Probefahrt unternahm, blieb zusammen mit einem Beiwagen der Nachwelt aktiv erhalten. Der von den Wuppertaler Stadtwerken zum 75jährigen Jubiläum der Schwebebahn mustergültig restaurierte Oldtimer gilt inzwischen als die "gute Stube" der Stadt und lädt zu Rundfahrten ein. Auch die standesamtliche Trauung während der Fahrt im Kaiserwagen steht auf dem Repertoir.