Lokalseiten diverse Meldungen Wuppertal
Diese Meldung ist eine Archivmeldung vom:
13.05.2002 05:00:00
Korruptionsaffäre: Jörg Heynkes tritt aus Marketing-Ausschuss zurück
Heftige Kritik an Oberbürgermeister und SPD-Fraktion im Zusammenhang mit Korruption und Parteispenden
Offener Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, den Vorsitzenden des Stadtmarketingausschusses, die Medien
Im Oktober 1999, nach der letzten Kommunalwahl, wurde ich als parteiloser
Bürger, von Vertretern der Wuppertaler SPD um Mitwirkung im
Stadtmarketingausschuss gebeten. Da ich grundsätzlich der Meinung bin, dass
Sachkunde und Kompetenz entscheidender bei der Besetzung von Mandaten seien
sollte als das richtige Parteibuch, stimmte ich gerne zu.
Die Arbeit im Ausschuss hat seither wenig Freude gemacht und war, bedingt
durch die politisch schwierigen Verhältnisse in der Stadt wenig effektiv.
Trotzdem hätte ich gerne weiter meinen Beitrag zu einem verbesserten
Stadtmarketing geleistet. Ich werde dieses ab sofort nicht mehr an dieser
Stelle tun und gebe meinen Sitz ab.
Der Grund hierfür liegt in den Ereignissen der letzten Monate und Jahre. Es
erscheint mir geradezu absurd, mich in den Reihen einer Partei zum Thema
Stadtmarketing zu engagieren, während diese aktiv am endgültigen Untergang
des Wuppertaler Rufes und Images arbeitet. Dieses ist ausdrücklich nicht
gegen den Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl gerichtet. Ich kenne ihn gut
und bin überzeugt, dass er nicht bestechlich, bzw. korrupt ist. Hans
Kremendahl hätte wohl jede Entscheidung für Projekte diverser Investoren
auch ohne jede legale oder illegale Spende getroffen. Trotzdem hat er große
Fehler gemacht.
Verantwortung tragen heißt eben nicht weggehen wenn es
problematisch wird, sondern gerade dann sich einzumischen. Er hätte von
seiner Partei einfordern müssen, dabei zu sein, um sicher sein zu können,
dass alles sauber läuft. Er hätte sich vor allem schon vor langer Zeit
andere Berater suchen müssen. Berater die nicht an dem Wuppertaler System
der letzten Jahre beteiligt waren und dieses zumindest aufrecht erhalten
wollten.
Ich vermute, dass er trotz seiner vermeintlichen persönlichen
"Unschuld" nicht mehr lange im Amt sein wird, da der öffentliche Druck zu
groß sein wird. Deswegen hatte ich in der SPD Gesamtfraktion darum geworben,
dem Abwahlantrag der anderen Ratsfraktionen einstimmig zuzustimmen um dann
gemeinsam mit dem Oberbürgermeister in die Offensive zu gehen. Ich würde
Hans Kremendahl zutrauen, dass er die Bürger dieser Stadt erneut für sich
gewinnen könnte, wenn er sich ihnen offensiv stellen würde und ihnen die
Wahl ließe.
Partei- und Fraktionsführung der Wuppertaler SPD haben diesen Weg abgelehnt,
was nachvollziehbar ist. Denn wollte man sich der Öffentlichkeit und dem
Wählervotum stellen, so müsste man auch bereit sein endlich mit aktiver
Aufklärung der Ereignisse zu beginnen. Dieses ist offensichtlich nicht im
Sinne der Wuppertaler SPD. Partei- und Fraktionsführung beweisen täglich
mehr, dass sie jeden Blick für die Realitäten verloren haben. All diese naiv
vorgetragenen Unschuldsbeteuerungen dienen wohl dazu, dass ängstliche
Parteivolk auf Linie zu halten.
Welch absurde Geschichten. Ein Bauunternehmer, Investor in dieser Stadt und
dazu noch CDU Mitglied spendet einer Partei die er politisch ablehnt, einige
Hunderttausend Mark. Selbstverständlich ohne jeden Hintergedanken, ohne jede
konkrete Erwartung die seine persönlichen Projekte betrifft. Glaubhaft??
Niemand hat irgendwas von den 500.000,- Mark gewusst. Obwohl doch das ganze
Geld in sechs detaillierten Raten über ein Clees Konto an die Partei floss.
Der böse Investor habe die arme Partei hinterhältig reingelegt, indem er
vorgab Spender zu besorgen. Wer von uns hätte diese Geschichte geglaubt?
Monatelang hören wir dass niemand in der Wuppertaler SPD irgendwas davon
geahnt habe und dann stellt sich heraus, dass bereits im Herbst 2000 die
Bundes SPD "Lunte" gerochen hat, die ersten zwei angegebenen Spender ( 100
TDM Mettmann, 50 TDM Hannover) lösen sich in Luft auf. Investor Clees
übernimmt dann auch diese Spenden "offiziell" auf seine Kappe.
Der Revisionsbericht der Bundespartei stellt fest, dass es ungewöhnliche
Vorgänge und handwerkliche Fehler gegeben hat. Was macht die sogenannte
Führung? Sie informiert nicht einmal den eigenen Unterbezirksvorstand über
diesen einzigartigen Vorgang. Heute will sagt man uns, keiner der damaligen
Führungscrew wäre nach diesem Vorgang im Herbst 2000 nachdenklich geworden,
niemand hätte daran gedacht einmal nachzuprüfen, was mit den anderen von
Clees "angeworbenen" Spendern aus Brandenburg und Düsseldorf sei. Glaubhaft?
Wer nach diesem Revisionsbericht nicht nachgeforscht hat, war entweder
unvorstellbar naiv, oder er kannte längst die Fakten und war nur auf
Vertuschung aus.
Wer die Korruptionsfälle der vergangenen Jahre in dieser Stadt betrachtet,
der stellt fest, dass Teile der Verwaltung, Politik, Wirtschaft und vor
allem der Städtischen Tochterbetriebe beteiligt sind.
Uns Bürgern dieser Stadt ist ein unvorstellbarer Schaden zugefügt worden.
Materiell und ideell, denn mittlerweile lacht (oder weint) die Welt über
uns.
Es hat sich in Wuppertal im Verlauf der letzten Jahrzehnte offensichtlich
ein unglaublicher Sumpf mit mafiösen Strukturen entwickelt. Das Ergebnis
dieses zum Teil höchst kriminellen Handelns ist leider nicht zum Wohle der
Stadt und seiner Entwicklung gewesen. Im Gegenteil, vergleicht man unsere
Stadt mit anderen Städten vergleichbarer Größenordnung, so stellt man fest,
dass wir in fast allen relevanten Bereichen der Stadtentwicklung schlechter
da stehen. Der Rückgang unserer Bevölkerungszahlen ist nur eine von vielen
Folgen. Undemokratisches und unkontrollierbares Handeln einiger weniger hat
daran großen Anteil.
Statt städtische Gesellschaften auszunehmen,
untaugliche Projekte durchzusetzen und die eigenen Taschen zu füllen, hätte
man lieber mehr an die Stadt und seine Bürger denken sollen.
Von allen politisch Verantwortlichen sollten wir erwarten können, dass sie
die Staatsanwaltschaft und die Medien bei dem Bemühen um Aufklärung
unterstützen. Wir Bürger haben ein Recht auf die Wahrheit. Egal wie
unangenehm sie ist.
In den Reihen der SPD Führung konzentriert man sich statt dessen auf die
Verunglimpfung und Kritik an den "Kontrollorganen" dieser Demokratie.
Der Verweis auf Korruption in anderen Städten, bzw. problematischer Spenden
von Clees an die CDU, hilft hierbei leider überhaupt nicht. Die mögliche
Schuld anderer mindert leider nicht die eigene Verantwortung!
Ich habe mich vor ungefähr 10 Jahren zum Austritt aus der SPD entschlossen
weil ich nicht mehr bereit war, meine kostbare Zeit für parteiinterne und
provinzielle Auseinandersetzungen zu opfern. Wie viele andere in dieser
Stadt war und bin ich interessiert an politischer Arbeit, allerdings im
positiven Sinne der Arbeit an Veränderungen, auch in meiner Heimatstadt. Wie
damals habe ich das Gefühl, das es in der SPD und auch den anderen Parteien
in erster Linie um die Karriereabsichten einzelner Funktions- und
Mandatsträger geht. Um die eigenen Leute abzusichern dienen hochdotierte
Posten bei städtischen Gesellschaften bzw. reizvolle Mandate in Stadt und
Land. Damit ist die persönliche Abhängigkeit von der Partei endgültig. Wer
es wagt womöglich einmal das Wohl der Partei zu gefährden, dem droht der
ganzheitliche Absturz. Wen wundert es, dass bei vielen Entscheidungen das
Wohl der Stadt, weit hinter dem der Partei zurückstehen muss.
Dieses merken die Bürger in Wuppertal und andernorts seit längerem.
Viele sind nicht mehr bereit, dieses zu ertragen.
mit freundlichen Grüßen
Jörg Heynkes
Projektentwicklung
E-mail: heynkes-projektentwicklung@wtal.de
Viehhofstr. 125
42117 Wuppertal
Diese Meldung basiert auf einer Mitteilung von:
Lokalseiten diverse Meldungen Wuppertal